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ZHI HE GONG FU


UNTERRICHT - VORRAUSSETZUNGEN - ZUM LERNEN UND ÜBEN


Zhi He Gong Fu kann ohne Altersbegrenzung und ohne besondere konstitutionelle und konditionelle Vorgaben betrieben werden. Der zeitliche Aufwand zum Lernen und Üben ist von zahlreichen persönlichen Faktoren abhängig. Optimal wäre es, täglich mindestens 20 Minuten. Wegen der Einfachheit der Übungen und des geringen Platzanspruches ist gerade Zhi He Gong Fu ein ideales Mittel, um den Körper schnell und wirksam zu erfrischen. Die Bekleidung sei einfach: leichte, weiche Turnschuhe, lockere, nicht beengte Kleidung. Zu den wichtigsten Voraussetzungen aber gehört die Motivation des Einzelnen, ein kompetenter Lehrer,lernen in positiver Gruppenatmosphäre und angenehmer Umgebung - nicht zuletzt Ausdauer beim praktischen Üben. Interesse allein genügt nicht!


SCHÜLER


Für den Schüler beginnt die erste Stufe, diese Zeit besteht aus der willentlichen und bewußten Übung, der langen (zwei- bis zehnjährigen) Grundausbildung der Bewegungs-, Technik-, und Atemschulung.Diese Grundausbildung endet mit dem Gefühl mit dem nicht weiter zu kommen, das sogenannte Burnout-Syndrom ist dafür verantwortlich. Das führt dazu dass ca. 90% der neuen Schüler in den ersten 6 Monaten und 70% der übriggebliebenen nach 2 Jahren mit dem Unterricht aufhören. Es ist wahrscheinlich so, dass sich nach zwei Jahren das technische Niveau auf einem gewissen Level einpendelt. Nun müßte mit dem bedeutsamsten Lern- und Reifeprozess begonnen werden. Denn erst dann wird das wahre "Verständnis für die Kunst" entwickelt.Die zweite Stufe führt zu dem Zustand des inneren Friedens. Nun ist der Zeitpunkt erreicht die Grobform zur Feinform zu durchstreiten. Eine Automatisierung der Bewegungen. Die Harmonie der Bewegungen zu ergründen.


DIE KUNST


Die gängige Definition für Kunst als ein "freies schöpferisches Tun in geistiger und seelischer Durchdringung und Deutung von Objekten und Gehalten einer Erfahrungswelt".Der Sport wird als "rekord-, resultats- und produktorientierte Trainingspraxis ausgeübt.Der Sportgedanke strebt nach Leistung, das unterscheidet elementar die Kunst vom Sport.


Philosophisches


Kung Fu / Gong Fu ist ein Oberbegriff, der alles umfasst, was eben Mühe (Gong) und Zeit (Fu) braucht. Dazu zählen im klassischen Sinne auch die Malerei und die Schriftkunst (Kaligrafie), Qigong, Bogenschießen, aber auch Musik, Dichtkunst. Wir verwenden das in Europa nur im Sinne von Kampfkunst. Das wird eigentlich als Wushu bezeichnet, was nur die Kampfkünste umfasst, sowohl mit der leeren Hand (Quan) als auch mit Waffen. Quan Fa ist mir bisher nch nicht untergekommen, finde ich auch nicht im Dictionary. Mit Fa ist wahrscheinlich Methode gemeint also "Faustmethoden". Quanji heißt Boxen, Boxkampf.


Die Charakteristik


Die Techniken im Zhi He Gong Fu wurden auf Ihre Wirkung hin maximiert. Die Bewegungen bestehen aus den Elementen des Südens und des Nordens Chinas. Im Süden sind die Bewegungen meist kurz und gerade, oder angedeutet spiralförmig. Im Norden ist der Stand sowie auch die Bewegungsmuster größer und weiter. Der Einsatz von Kraft wird möglichst reduziert. Es wird der ganze Körper in Harmonie eingesetzt. Es zählt die Harmonie der Bewegungen. In der Regel wird eine Kombination aus Gewichtsverlagerung (Schritttechniken) und spontaner schneller Streckbewegung (so genannter Peitschenkraft) mit einem relativ kleinen Anteil eigener Muskelkraft eingesetzt. Dadurch wird die Elastizität des eigenen Bewegungsapparates ausgenützt.Die Kraft des Gegners wird durch die Anwendung von Prinzipien wie Winkel-, Drehprinzipien und weiterleiten neutralisiert und gegen ihn selbst verwendet. Die südlichen Elemente sind besonders charakterisiert durch seine Trittarbeit, die nur sehr wenige Grundtritte umfasst und mit der im Allgemeinen nur niedrige Ziele (bis Hüfthöhe) angegriffen werden. Ein Ziel dieser Tritte ist insbesondere das Kniegelenk und der Oberschenkelansatz des Gegners. Es wird auch auf zwei Ebenen gearbeitet, damit der Angreifer seine Mühe hat den Bewegungen zu folgen.


Die Prinzipien


Ein wesentlicher Charakteristik von Zhi He Gong Fu ist das Denken in Prinzipien. Diese könnten auch als Weisungen oder Orientierungshilfen bezeichnen werden. Die Prinzipien werden ganz bewusst in der direkten Befehlsform formuliert, so dass klar definiert ist, was zu tun ist.Wenn diese Denkweise richtig angewendet wird bleibt das ganze System auf ein hohes Maß und verleit dem Anwender extreme Flexibilität: Handelt der Schüler bzw. Anwender nach den Prinzipien, so reagiert er zumindest spontan auf die Gegenwärtige Aktion.

Lasse deinen Körper ohne Kraft reagieren

Vermeide die Konfrontation mit der Kraft des Gegners.

Nütze die Kraft des Gegners und füge deine eigene Kraft hinzu bei der Aktion.

Ist der Weg frei, dringe ein!

Ist der Weg nicht frei, bleibe an ihm haften!

Ist die Kraft des Angreifers zu groß, gib nach!

Zieht der Gegner sich zurück, folge.

Kreis zerstört Gerade Gerade zerstört Kreis


Der Unterricht


Das Training wird von Partnerübungen dominiert. Je nach Erfahrung und Stand der Schüler variiert die Geschwindigkeit und Intensität, wie auch die Komplexität dieser Übungen hin bis zum Freikampf/Sparring. Ziel dieser Übungen ist es, den Lernenden durch langsame und sich oft wiederholende Übungen bestimmte Bewegungen einzuprägen, die im Stressfall unbewusst abrufbar sind. Einen Schwerpunkt legt das System auf ein Gefühlstraining, das ermöglichen soll, auf bestimmte Berührungen und Impulse eines Trainingspartners oder Gegners sehr schnelle und überraschende Reaktionen zu bieten. Den im Südsystem können die Augen die vorhandene Situation nicht mehr überschauen, so dass nur noch das Gespürt weiter hilft.


Die Formen


Eine wesentliche und grundlegende Methode, das Zhi He Gong Fu zu erlernen, sind Formen. Formen sind festgelegte Abfolgen von Bewegungsmuster, die in einem bestimmten Ablauf ausgeführt werden. Die Formen spiegeln die verschieden Prinzipien wieder. Außerdem kann man die formen alleine und selbstständig ohne Partner trainieren. Die Formen schulen die Bewegungen und verfeinern diese bis sie zur automatischen Bewegung gehören. Dass der Kopf nicht mehr darüber nachdenken muss. Der Ablauf der Formen ist seit Jahrhunderten überliefert. Auch heute noch werden von verschiedenen Lehrern zuweilen Änderungen in der Ausführung eingeführt, was mit der Lebendigkeit der Kampfkunst erklärbar ist.


Waffen


Zhi He Gong Fu war ursprünglich eine Kampfkunst ohne Waffen, doch die damals vorherrschende Lebenssituation machte es erforderlich die Bewegungsmuster auch auf die Waffe zu erweitern. Vorwiegend werden zwei Waffenformen weitergegeben.

Langstock (Luk Dim Boon Kwun)

Kurzschwerter (Baat Jam Do / Dao)


Geschichte oder Märchen?


Nach der Zerstörung des Shaolin-Klosters trennten sich die Überlebenden, um den Nachstellungen der Manchu-Regierung leichter zu entkommen. Meister Chi Sim Sin Si nahm zum Beispiel eine Tarnidentität als Koch auf einer "Roten Dschunke" an. Als Rote Dschunke wurden Transportschiffe einer Operntruppe bezeichnet, die üblicherweise mit roter Farbe gestrichen und bunten Fahnen geschmückt waren. Weitere versteckten sich dagegen im Weißer-Kranich-Tempel am Tai-Leung-Berg, wo sie sich ungestört der Kampfkunst und dem Zen widmen konnten.Als Schüler des Shaolin-Klosters hatte die Mönche die die Kampftechniken erlernt hatten diese eingesetzt und sorgten in der Gegend für Gerechtigkeit, wenn es sich als nötig erwies. Dadurch gerieten sie oft in Schwierigkeiten, sie wurden oft gezwungen ihre Heimat zu verlassen


Familiensystem, Graduierung


Im alten China wurde das Zhi He Gong Fu in einem "familiären" Charakter jeweils von Lehrer zu Schüler weitergegeben. Der Lehrer, der die persönliche Verantwortung für die gesamte Ausbildung der Schüler hatte, wurde als "Vater-Lehrer" (Shi fu) angesehen. Der Unterricht fand gegen Bezahlung oft im Wohnhaus des Lehrers statt, eine persönliche Bindung zwischen Lehrer und Schüler, mit bestimmten gegenseitigen Verpflichtungen, war die Regel. Der Sifu wurde beim Unterricht von des "älteren Bruders" (Sihing) bzw. der "älteren Schwester" (Sije) unterstützt. Da nicht jeder neue Schüler in das Familiensystem Einblick nehmen sollte wurde zuerst ein offenes gröberes System gelehrt. Erst wenn der Schüler sich würdig zeigte wurde ihm das Familiensystem offenbart. Denn der Lehrer musste sich es von der Loyalität des Schülers überzeugen.Trotzdem wird bis heute in den Schulen an der Idee des "Familiensystems" festgehalten. Auch werden heute immer noch traditionelle Verpflichtungen des Schülers gegen den Shi fu betont.